Der Workshop mit dem Thema „Verstehen und Verstanden werden“ fand im Spiegelsaal des Theaters „Bergischer Löwe“ in Bergisch Gladbach statt.
Technik in Form einer tragbaren FM Übertragungsanlage war am Start, sowie *TUSCH* als Premiere für den Verein – eine automatische Transkription. So konnte auf der zweiten Leinwand alles Gesprochene nachgelesen werden.
Worum ging es im Workshop genau? „Verstehen ist eben das Eine – sich mit seinem anders Hören verstanden fühlen, das Andere.“
Der Workshop gliederte sich in drei Teile, wobei jeder Teil von einer Pause abgegrenzt wurde. Schwerhörige brauchen halt die Pausen, um sich kurz zu erholen und die neuen Informationen zu verarbeiten.
Im ersten Teil ging es darum, Lösungen für schwierige Kommunikationssituationen zu erarbeiten. Was sind schwierige Kommunikationssituationen? Schwierig ist es, wenn dein Gegenüber nuschelt, undeutlich spricht, Dialekt spricht, es dunkel im Raum ist, Störlärm das Gespräch begleitet oder aber die eigene Technik nicht in Ordnung ist oder man auch mal seinen schlechten Tag hat (ja, auch Schwerhörige können eine Kommunikation erschweren – manchmal unwissentlich). Nun, Peter hat mal spaßig und mal ernst die verschiedenen Situationen erläutert und mit den Teilnehmern Lösungen erarbeitet. Dabei hat Peter uns Schwerhörigen auch mal in den Allerwertesten getreten, denn, nicht immer müssen die Gesprächspartner etwas ändern oder sich auf uns einstellen – nein, auch wir Schwerhörigen müssen etwas tun und zum Beispiel unsere Bedürfnisse gegenüber dem Gesprächspartner mitteilen. Was nützt uns ein deutlich sprechender Mensch, wenn es im Raum zu dunkel ist oder der Störlärm alles übertönt? Da hilft es nicht einfach zu nicken und „Ja ja“ zusagen. Ein Guthörender ist dann nämlich der Meinung: „Ah, mein Gegenüber hat alles verstanden.“ Dem ist nicht so, wir waren nur zu faul oder hatten keine Lust, unsere Bedürfnisse zu äußern. In diesem Fall waren wir Schwerhörigen egoistisch und das ist nicht gut. Wie soll ein Guthörender dann lernen und wissen, was wir Schwerhörigen brauchen und wie man mit uns umgehen sollte! Also, an die eigene Nase packen, offen und ehrlich zugeben, dass man Probleme beim zuhören und verstehen hat.
Pause.
Die Mitglieder der HörBar e.V. haben die Teilnehmer mit Kaffee, Wasser, Tee, selbst gebackenen Kuchen und Keksen (welche als Form von Ohren, Ohren mit HG und Vestibularorgan angeboten wurden) versorgt. Zehn Minuten Pause sollte es sein. Zehn Minuten sind gefühlt zu kurz und so waren es echte fünfzehn Minuten – egal.
Frisch gestärkt ging es in Runde zwei – Gegenseitig stärken.
Dort wurde von Peter vermittelt, dass man, um verstanden und von dem Gegenüber akzeptiert zu werden, seine eigene Schwerhörigkeit mit allen drum und dran akzeptieren muss. Ohne diese eigene Akzeptanz ist es unmöglich, seinem Gesprächspartner die eigenen Bedürfnisse zu erläutern und auch zu begründen.
Damit wir verstehen, was gemeint ist, hat Peter einen Text von Carole Lorang vorgelesen. Der Text beinhaltet, womit Schwerhörige zu kämpfen haben, welche Probleme bestehen, dass zum Beispiel der Schwerhörige über den gesamten Zeitraum des Zuhörens Höchstleistung mit dem Gehirn verbringt, vergleichbar mit einem Simultandolmetscher! Nur dieser wird zirka alle 20 Minuten abgelöst. Was passiert mit dem Schwerhörigen? Ja, er wird müde, unaufmerksam, unkonzentriert und im schlimmsten Fall, kommt es zu körperlichen Reaktionen wie Schwindel, Kreislauf, Kopfschmerzen und ähnliches. Abhilfe? Pausen!! Regelmäßige Pausen und einfach Ruhe.
So wie jetzt – große Pause.
In der Pause hatte jeder Zeit wieder Kuchen und Getränke zu nehmen, Toilettengang, Beine vertreten und auch einige Gespräche zu führen.
Endspurt.
Eine neue Folie und ein Teilnehmer – Guthörend – wurde freundlich auf seine freiwillige Hilfe beim Lesen des Textes gesucht und gefunden. Der Text wurde im ersten Durchgang recht flüssig gelesen – so wie Guthörende auch meistens flüssig hören. Dann kam die erste Schwierigkeitsstufe: Es fehlten ein paar Buchstaben und der Text war ein anderer. Der Text ging nun nicht mehr ganz so flüssig, ja, er stockte beim Lesen. Das ist so, wie ein mittelgradig Schwerhöriger hört. Dritter Text. Es fehlten Buchstaben und manche Buchstaben standen an der falschen Stelle – eine Herausforderung und die wurde so gerade eben gemeistert. Das war ein Beispiel von hochgradig Schwerhörigen. Finale, der letzte Text. Es fehlen Buchstaben, Buchstaben an der falschen Stelle und es fehlen fast ganze Wörter. Wie klappt das? Es war sehr schwer für unsere Guthörende und sie bekam es nur sinngemäß hin. Das war das Beispiel für an Taubheit grenzend Schwerhörige. Tja, da kam Peter mit einer Aussage um die Ecke, die keiner erwartet hat – der letzte Text war gleich dem ersten Text! Keiner der Teilnehmer hat es gemerkt und da wurde es den meisten bewusst … wir Schwerhörigen haben es nicht einfach und unsere Gegenüber auch nicht.
Wie kann man das ändern?
Einmal sollte man sich der Schwerhörigkeit bewusst werden und die technischen Möglichkeiten nutzen. Ergo, zu Hörgerät, CI und anderen Hilfsmittel greifen. Man sollte an sich und seinen Bedürfnissen arbeiten und die Grenzen ausloten. Wichtig ist auch, sich selbst Pausen zu gönnen und Grenzen zu setzen. Akzeptieren, dass technische Hilfsmittel kein biologisches Ohr ersetzen kann und keinesfalls ein biologisches Ohr übertreffen kann! Nichts geht über die Natur und die Technik kann es einfach nicht.
Zum Schluss erläuterte Peter, wie wichtig die Selbsthilfe ist. Jeder muss sich an seinem eigenen Schopf packen. Damit das gelingt und man nicht allein gelassen ist mit seinen Problemen, sollte man eine Selbsthilfegruppe aufsuchen. Dort bekommt man unter Gleichgesinnten viele Antworten auf seine Fragen und die nötige Unterstützung. Selbst Fragen zur Technik, Ärzten, Diagnosen (nicht die Erstellung solcher) Anträgen, Vorgehensweisen und vieles mehr, bekommt man in den Selbsthilfegruppen.
So endet der gut besuchte Workshop und die Abbauarbeiten begannen.